Liebe Leserinnen und Leser,

mein Mann hat mir zum Geburtstag eine Fitnessuhr geschenkt. Sicher sehr entbehrlich, aber auch interessant. Dadurch kann ich sehen, wie viele Schritte ich am Tag gehe, welche Kalorien ich verbrauche und wie ruhig oder unruhig ich schlafe. Wenn ich dann meine 10.000 Schritte gelaufen bin, lobt mich die Uhr sogar. So ein Ding ist, gerade fürs Schritte- zählen, wirklich entbehrlich, denken Sie zurecht.

Als ich aber letztens das Bibelwort aus dem Buch Hiob las, musste ich sofort an diese Uhr denken. Da zählt einer meine Schritte und das ist gar nicht entbehrlich. Das ist lebenswichtig, daran glaube ich und darauf vertraue ich.

Hiob hatte unsägliches Leid erlebt, er hatte Frau und Kinder verloren, Besitz und Gesundheit. Er hat Gott sein Leid geklagt. Dass Gott alle seine Schritte zählt, ist für ihn auch nicht einfach nur eine (Glaubens-) Aussage, sondern er kleidet es in seiner schweren Situation in einen Fragesatz: Zählt Gott noch alle meine Schritte? Hat er mich verlassen?
Angesichts seiner schier aussichtslosen Situation könnte man das denken und doch erinnert er sich zurück, fasst wieder Vertrauen:

Gott ist mein Leben nicht egal, er sieht doch meine Wege, er zählt doch meine Schritte. Hiob appelliert an Gott. Das nötigt mir Respekt ab. Er erinnert Gott an seine Verantwortung, die er doch seit der Schöpfung übernommen und nach der Sintflut noch mal erneuert hat.
So geht es uns auch oft: Wir verstehen die Wege nicht, die wir durchleben oder durchleiden müssen. Dann kommen wir ins Fragen und auch der Glaube wird auf die Probe gestellt. Sieht Gott nicht meine Wege, zählt er nicht meine Schritte? Lässt er mich im Elend allein? Von Hiob kann ich lernen, dass zum Glauben das Fragen dazu gehört. Fragen ist eine andere Art des Glaubens und Festhaltens an Gott.

„Sieht Gott nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte?“

Eine Fitnessuhr, wie ich sie jetzt habe, ist tatsächlich entbehrlich und ein Spielzeug – Spaß macht sie mir trotzdem, auch weil sie mich an dieses Bibelwort erinnert. Denn unentbehrlich ist mir das Glauben und Fragen, so wie es Hiob tat. So fühle ich mich ernstgenommen bei allen Schritten des Lebens.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen bei all ihren Schritten durch das Leben.

Ihre Pröpstin
Sabine Kropf-Brandau

admin

Fotoalbum