Liebe Leser des Gemeindebriefs!

Es wird Herbst. Morgens kämpft sich die Sonne durch den Nebel. Ein paar schöne Tage werden noch vor uns liegen, bis es im November grau und dunkel wird. Eine Zeit, in der es nochmal besonders schön ist, bunte Blätter an den Bäumen, letzte Blumen in der Rabatte. Eine Zeit des Überflusses, weil jetzt noch die späten Früchte reifen, der Kohl im Garten feste Köpfe gebildet hat. Es ist die Zeit der reifen Trauben, des gärenden Weins. Und doch wissen wir, dass diese Zeit zu bald ihr Ende findet. In dem beständigen Auf und Ab der Jahreszeiten sind wir an dem Punkt, von dem es schnell bergab geht. Es ist die Zeit, in der die Menschen Vorräte anlegen mussten, um überleben zu können.

Seit Menschengedenken ist das so und schon immer wurden die Gefühle, die uns in dieser Zeit befallen, in Liedform gebracht. Die Freude über die Schönheit, die Wehmut, dass diese Schönheit bald vorüber ist. Und die Hoffnung, dass es auch in der dunklen Jahreszeit noch gut weitergeht. Eines dieser Lieder hat seinen Weg ins Gesangbuch gefunden. Viktor von Strauß und Torney schrieb 1848 „Des Jahres schöner Schmuck entweicht“ (Nummer 648). So heißt es in der ersten Strophe:

Des Jahres schöner Schmuck entweicht,
die Flur wird kahl, der Wald verbleicht,
der Vöglein Lieder schweigen;

ihr Gotteskinder, schweiget nicht
und lasst hinauf zum ewgen Licht
des Herzens Opfer steigen.

Auffällig dabei ist die Form der Strophen: Sie bestehen aus zweimal drei Zeilen, wie sich in Reimschema und Inhalt zeigt. Von Strauß und Torney stellt in den ersten drei Zeilen jeweils dar, was er in Feld und Wald beobachtet. In den folgenden Zeilen wendet er dann den Blick, weg von der Natur, hin zu unserem Leben. Er lädt uns ein, auch Vorräte für die Seele zu sammeln, um die vor uns liegenden dunklen Stunden gut zu überstehen und bittet Jesus, uns dabei zu begleiten und zu beschützen.

Das sind Vorräte, die wir auch heute noch sammeln müssen, für die Herbsttage in unserem Leben. So gerüstet können wir es getrost Herbst werden lassen, uns freuen am Überfluss und der Schönheit der Natur und weitergehen in die dunkle Jahreszeit. Auch danach wird es weitergehen, nach dem Winter kommt ein neues Frühjahr, nach unserem Leid kommt neue Freude, nach unserem Tod kommt neues Leben.

Ihr Pfarrer

Alexander Ulrich

Alexander Ulrich

Pfarrer Alexander Ulrich

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