Liebe Leserinnen und Leser

Besuch hat sich angekündigt. Eigentlich steht der Termin seit langer Zeit im Kalender. Trotzdem wird es am Ende wieder eng, zwischen all den Terminen. Er will länger bleiben, auf jeden Fall ein paar Tage. So kommt beim Putzen auch das Gästezimmer dran. Sauber soll es sein. Einkaufen muss ich auch noch.
Irgendwann ist der Kühlschrank voll, das Haus blitzt und blinkt. Alles ist vorbereitet. Nur ich stehe noch verschwitzt in alten Klamotten mit einem Putzlappen in der Hand in der Küche. „Perfektes Timing, noch eine halbe Stunde“ denke ich und freue mich auf die Dusche. Dann klingelt es an der Tür.
Er ist da, früher als erwartet und strahlt über das ganze Gesicht. Wir fallen uns in die Arme: der lang erwartete Besuch und der, der trotz Planung nicht fertig geworden ist.
„Wie immer!“ sagt er und schmunzelt. „Setz mal Kaffee auf und erzähl, was bei dir los ist.“ Schnell kommt der Lappen in den Keller und bald zieht der Kaffeeduft durchs Haus. Wir sitzen zusammen und reden. Ich merke, wie ich langsam ruhig werde. Es wird ein schöner Abend. Alte Geschichten kommen auf den Tisch genauso wie das, was gerade aktuell ist. Im Rückblick war es eine tolle Woche mit Besuch. Der Aufwand vorher hat sich gelohnt. Aber es war auch gut, als der Vorbereitungsstress sein Ende gefunden hatte. Manchmal brauche ich jemanden, der mich herunterholt. Dann mit einer Tasse Kaffee zusammensitzen und loswerden, was auf der Seele drückt.
Es ist gut, dass es eine Zeit gibt, in der das Programm ist. Trotz allem Trubel finde ich im Advent immer wieder ruhige Zeiten. Auch wenn Einkaufen,  Putzen, Predigt schreiben und letzte Sitzungen dran sind. Weil sich mit Jesus zu Weihnachten ein besonderer Besuch angekündigt hat.
Ich genieße die langen dunklen Abende und zünde jede Woche eine Kerze mehr an. Wenn ich dann, möglicherweise nur halbfertig, im Sessel sitze, kann ich spüren, dass der Besuch schon da ist. Vielleicht schmunzelt er über meine Mühen.
Auf jeden Fall hört er zu, was ich zu erzählen habe, nimmt mich in den Arm und vor allem so, wie ich bin.

Ihr Pfarrer

Alexander Ulrich

Pfarrer Alexander Ulrich

 

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