Liebe Gemeindemitglieder!

Wieder wird es Advent. In diesem Jahr habe ich das Gefühl, dass es nochmal schneller gegangen ist als in den letzten Jahren. All die Vorbereitungen für Weihnachten nehmen so viel Zeit und Kraft in Anspruch. Schön soll es werden und irgendwie auch besonders. So stehe ich da, in meinen eigenen Kreisen gefangen und versuche, allem irgendwie Herr zu werden.
Nach allem möglichen ist mir zumute, nur nach einem nicht: laut zu jubeln. Nicht bei dem Stress und der Dunkelheit. Doch dann fällt mir bei der Vorbereitung der Adventsandachten das Gesangbuch in die Hand. Neben all den getragenen Klassikern, die meiner Stimmung am ehesten entsprechen, steht da ein Lied, das einen ganz anderen Ton anschlägt. Im Anhang für die hessischen Kirchen unter der Nummer 536 ist es zu finden. Geschrieben wurde es von Gottfried Neubert 1977 und er lässt mir keine Wahl, beginnt mit einer Aufforderung: „Singet fröhlich im Advent, lasst nun alles Trauern!“
Kann ich mir befehlen lassen, fröhlich zu sein? Nein, das funktioniert nicht. Aber ich beginne zu lesen und zuerst nur innerlich auch zu summen. „Seht, das erste Licht schon brennt, lang wird’s nicht mehr dauern, bis in alle Dunkelheit strahlen hell die Kerzen.“ Befehlen kann Neubert mir nicht, dass ich fröhlich singe, doch anstecken, das kann er. Es kommen Erinnerungen in mir hoch von den Kerzen auf dem Adventskranz, die in den raren Mußestunden das ansonsten dunkle Wohnzimmer hell machen. Jede Woche etwas stärker und trotzdem immer ganz sanft.
Irgendwann merke ich, dass aus dem Summen Singen geworden ist. Noch etwas verhalten, noch lange nicht von frohem Herzen. Das braucht wohl seine Zeit, vielleicht sogar die dreieinhalb Wochen des Advents. Brüchig singe ich von Hoffnung, Frieden, Liebe in der Welt und merke, dass etwas in mir wächst. Gottes Taten preisen, wie Neubert es in der fünften Strophe fordert, dafür bin ich aber noch nicht bereit. Davon müssen erst die Engel singen am Heiligen Abend, in der Heiligen Nacht. Dann werde ich einstimmen in den Jubel, darauf freue ich mich schon jetzt!
Manchmal braucht es jemanden, der mich ansteckt und aus den eigenen Kreisen zieht. Jemanden dieser Art wünsche ich uns allen für die Adventszeit, damit es Weihnachten werden kann.

Ihr Pfarrer

Alexander Ulrich

Pfarrer Alexander Ulrich

Heiko Kehm

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