Liebe Gemeindemitglieder!

„Aus dem Vollen schöpfen!“

Diese Redensart fiel mir ein, als ich einen Vers aus dem Johannesevangelium las: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ (Joh. 1, 16)
Ich denke an eine Quelle im Asmushäuser Forst. Wasser sprudelt immer neu daraus hervor – unerschöpflich – oder?
Während unserer gemeindlichen Israelreise Anfang November 2019 waren wir auch an der Jordanquelle. Nicht weit davon flussabwärts standen wir an einem rauschenden und imposanten Wasserfall. Israel/Palästina ist ein trockenes Land. Um die Felder bewässern zu können wird im galiläischen Bergland viel Regenwasser in Becken aufgefangen, um es dann nach und nach abzugeben. Vom Berg Tabor aus konnte man viele dieser Becken sehen. Dennoch wird vom Jordan, der Lebensader Israels/Palästinas ständig Wasser entnommen. So viel, dass am Ende im Toten Meer nur noch ein Rinnsal ankommt und der Wasserspiegel des Toten Meeres immer weiter absinkt. Es wird zu viel Wasser entnommen.
Im Sommer 2018 und auch in 2019 war es auch bei uns sehr trocken. So trocken, dass die Behörden ein Verbot der Wasserentnahme aus den Flüssen und Bächen anordneten. Wir konnten nicht mehr aus dem Vollen schöpfen.
Wie aber ist das mit der Gnade Gottes? Unerschöpfliche Quelle?
Das Johannesevangelium bezeugt ganz klar: Unerschöpflich – Gnade ohne Ende!
In einem Gleichnis redet Jesus von der vergebenden Gnade Gottes. Einem Schuldner mit sehr großen Schulden wird durch seinen Herrn die Schuld erlassen – aus Gnade. Doch dieser Schuldner geht nun hin und lässt einem, der ihm eine vergleichbar geringe Schuld nicht zurückzahlen kann, ins Gefängnis werfen. Dazu wird die Familie des Schuldners versklavt und verkauft. Das hört der gnädige Herr. Nun aber ist es mit seiner Gnade vorbei.
Darum: Gottes Gnade ist unerschöpflich – aber es ist keine billige Gnade, sondern nimmt uns in die Pflicht. Denn wer aus der Gnade Gottes heraus lebt, kann nicht gnadenlos an sich selbst denken.
In unserem Grundgesetz heißt es:
Eigentum verpflichtet.
Bei Gott gilt der Grundsatz: Gnade verpflichtet!
Gebe Gott, dass seine unerschöpfliche Gnadenquelle sich niemals ausschöpfen lasse und wir so aus dem Vollen schöpfen können. Gott helfe uns, dass es bei uns nicht gnadenlos zugehe, sondern wir den Wert der Gnade vergleichbar dem Wert des Wassers sehr hoch schätzen.

Ihr Pfarrer

Pfarrar Martin Schacht

Heiko Kehm

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