Besinnung
Liebe Gemeinde,
„Auf Wiedersehen“
muss ich Ihnen und Euch nun sagen.
Ende Januar ziehe ich zu meinem Ehemann in die Schweiz, worauf ich mich sehr freue.
Glücklich bin ich auch darüber, dass ich den schönen Beruf der Pfarrerin weiterhin in der Kirchgemeinde Biel ausüben darf.
Auf der anderen Seite sehe ich aber mit Wehmut auf das, was ich hier in Bebra zurücklassen werde. Es waren für mich sehr schöne 3 ¾ Jahre und ich habe der Kirchengemeinde und auch meinem Kollegen Pfarrer Johannes Nolte viel zu verdanken.
Herzlich und mit großer Offenheit wurde ich im Mai 2008 in Bebra als Ihre Pfarrerin aufgenommen.
Es wurde mir viel Vertrauen entgegengebracht und ich durfte so manch einen von Ihnen ein Stück auf seinem und ihrem Lebensweg begleiten.
Ich habe erlebt, dass Kirche für viele Menschen in Bebra ganz selbstverständlich dazu gehört, bei wichtigen Ereignissen im eigenen Leben, als Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zum Wohle vieler einzubringen und Gemeinschaft zu erleben oder auch einfach als Ort an dem man Abstand gewinnen, Atem holen und sein darf.
So wird Kirche in Bebra in ihrer Vielfalt gelebt.
Auch lassen viele verschie- dene Menschen sich bei unterschiedlichen Gelegenheiten ansprechen und beteiligen sich.
Diese Vielfalt hier zu benennen, sprengt den Rahmen, aber exemplarisch möchte ich es dennoch wagen: So kommen z. B. zahlreich Familien, wenn Gottesdienste oder Feste für sie angeboten werden.
Eltern engagieren sich mit viel Einsatz und Überzeugung in der evangelischen Kindertagesstätte „Arche Noah“.
Kinder freuen sich auf Kinderstunde, Kindergottesdienst und Kinderbibeltage. Jugendliche fiebern schon Jahre vor der Konfirmation dem Konfirmandenunterricht entgegen und einige bringen ihre Gaben anschließend in die Gemeinde ein, auch wenn der Schulalltag sie weit mehr als früher in Anspruch nimmt.
Menschen im Berufsalltag beteiligen sich in Musikgruppen,
Öffentlichkeitsarbeit,
lassen sich von Spendenaktionen ansprechen und kommen zu besonderen Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen.
Rüstige Seniorinnen und Senioren engagieren sich für die Gemeinde auf vielfältigen Gebieten, auch wenn das Alter seine Spuren hinterlässt und der Weg zur Kirche schwer fällt, bleiben Menschen der Kirche im Herzen verbunden.
Der Kirchenvorstand Bebra hat zu Anfang seiner Amtszeit diese Vielfalt staunend wahrgenommen und sich die Vernetzung dieser vielen Gruppen und damit so unterschiedlichen Menschen als Aufgabe gesetzt.
Darum war ihm z.B. die Neugestaltung des Gemeindebriefes und der Internetseite wichtig, aber auch der jährlich stattfindende Arbeitskreis der Gemeindegruppen.
Im Jahr 2010 sind die Kirchengemeinden Asmushausen, Braunhausen und Rautenhausen zu der Zuständigkeit von Pfarrer Johannes Nolte und damit auch zu meinen Aufgaben hinzu gekommen.
Pfarrer Axel Dück und Pfarrer Axel Nolte haben uns dafür bei der Arbeit in den Seniorenheimen entlastet.
Damit ist die Gemeinde sowohl örtlich, als auch personell gewachsen. Neue Verbindungen sind entstanden, die nach und nach mit Leben gefüllt werden müssen. Erste Schritte sind gemacht, z. B. durch gemeinsame Gottesdienste, Gemeindeversammlungen oder gegenseitiges Kennenlernen der Kirchenvorstände.
Vieles weitere wird die Zukunft bringen.
Diese sollte freilich gut und unter Beteiligung vieler geplant werden.
Bebra ist Volkskirche für alle und wird vor allem mit und durch viele Menschen gestaltet – so habe ich es erlebt.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich diesen Schatz bewahren. Mag es auch viel Energie kosten und manchmal atemlos machen, ich bin mir sicher, es lohnt sich.
Gerade wenn viele Menschen sich beteiligen können, ist auch viel Energie da, um füreinander Verantwortung zu übernehmen, miteinander zu planen und Akzente zu setzen und dann auch zu feiern – und dies alles zur Ehre des dreieinigen Gottes.
Der Theologe Kurt Martin hat ihn die „gesellige Gottheit“ genannt.
In sich und auch nach außen ist diese Gottheit auf Beziehung hin ausgerichtet. Wie ein guter Vater und eine gute Mutter wendet sie sich uns zu.
In Jesus Christus spricht sie uns persönlich an und als Heiliger Geist bewegt sie, schafft Neues und führt zueinander.
Ich glaube darum, dass Volkskirche ein sehr guter Weg ist, Kirche im Namen Gottes zu sein.
Danke für diese Erfahrungen!
Danke für die gute Zeit!
Der Segen des „geselligen“ Gottes sei und bleibe bei Ihnen.
Ihre Pfarrerin
Anna Razakanirina
