Offene Kirche

Die Auferstehungskirche am Lindenplatz in Bebra ist jeden Tag von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

ja

Nicht nur am Sonntag dürfen Sie in das Haus Gottes eintreten – ungezwungen, ohne Grund. Von alters her sind Kirchen Orientierungspunkte für Leben und Glauben. Kirchen sind Orte der Zuflucht, der Ruhe und der Begegnung mit dem ganz Anderen. Kirchen sind „Heilige Orte“. Unsere Auferstehungskirche reiht sich in diesen Reigen ein. Schon immer hat ihr Turm das Stadtbild Bebras bestimmt. Besucherinnen und Besuchern hat er eine Atmosphäre verheißen, die in kaum einem anderen Raum dieser Stadt zu finden ist. An diesem umbauten Ort der Gegenwart Gottes können Sie sich umschauen, zur Ruhe kommen, Stille genießen, in Bibel und Gesangbuch blättern. Wer mag kann ein Stoßgebet sagen oder ausgiebig alle Anliegen des Lebens mit Gott besprechen. Dies sind die Werte, mit denen wir als Gemeinde wuchern möchten und nicht mit denen, die sich wegschließen lassen.

 

Der Name „Auferstehungskirche“

Seit 1949 trägt die Kirche den Namen „Auferstehungskirche“. Damals wurde über den Turmeingang die Worte gesetzt: „Gottes Zorn ließ mich in Trümmern gehen – Gottes Gnade neu erstehen.“ Auferstehung erinnert an die christliche Hoffnung des Aufgehobenseins unseres Lebens bei Gott über den Tod hinaus. Auferstehung bedeutet von dieser Hoffnung her aber auch, das eigene Leben als Gabe Gottes und darin als Aufgabe zum Miteinander zu verstehen. Wo Leben in seiner Vielfältigkeit, aber auch Widersprüchlichkeit gelebt werden kann, stehen Menschen auf zum Leben, nutzen ihre Lebensmöglichkeiten in freudigen wie traurigen Momenten. So fühlt man sich bei Gott und beieinander geborgen. Von dieser Hoffnung und Sehnsucht hören wir und auf sie vertrauen wir bei den vielfältigen Gottesdiensten in der Auferstehungskirche.

Geschichtliches

Diese große und schöne Kirche, von weit her mit ihrem markanten Turm sichtbar, ist der vorläufige Schlusspunkt einer Baugeschichte, die vermutlich über 1000 Jahre zurückreicht. Das lässt sich aus der Tatsache schließen, dass Bebra schon zur Zeit des Lullus († 786) kirchlicher Besitz des Klosters Hersfeld war. Der erste verlässliche Nachweis einer Kirche ist der ältesten Glocke, einer Marienglocke, zu verdanken. Ihr war die Jahreszahl 1375 eingraviert. Seit dieser Zeit hat es an der kleinen Dorfkirche immer wieder bauliche Veränderungen gegeben. Die Entwicklung ging bis zuletzt nur in eine Richtung: die Kirche wurde bedingt durch die wachsende Zahl der Gemeindeglieder immer wieder erweitert.

 

Der dunkelste Tag in der Geschichte die Kirche war der 4. Dezember 1944, als sie bei einem Bombenangriff getroffen wurde.

 

Ostern 1949 wurde die Kirche nach ihrer fast völligen Zerstörung unter dem Namen „Auferstehungskirche“ eingeweiht. Die Kasseler Zeitung schreibt: „Über 3000 Menschen erlebten die feierliche Einweihung… Bischof Wüstemann … würdigte in seiner Ansprache die Bereitschaft der Gemeinde, die den Kirchenneubau durch laufende Spenden ermöglicht hat. Besondere Anerkennung sprach er… Pfarrer Heidelbach aus, dem es zu verdanken sei, dass die Kirche als erste Hessens, größer und schöner als die frühere wieder aufgebaut wurde.“ Allerdings hat Pfarrer Heidelbach die Gemeinde nicht nur um Spenden gebeten, sondern auch um freiwillige Helfer. Nach seinem zweiten Aufruf haben 4 Wochen lang täglich ca. 20 Freiwillige bei der Beseitigung der Schuttmassen mit geholfen.

 

Am Turm wurden die 4 Evangelisten Matthäus mit dem Engel, Johannes mit dem Adler, Lukas mit dem Stier und Markus mit dem Löwen in einer Höhe von 8 m aufgestellt. Die Entwürfe stammen von den Bildhauern Prof. Knecht und Kriebel. Die Übertragung der Gipsmodelle in Stein führte Steinmetzmeister Silbermann aus Bebra aus.

 

Die Kanzel zu ebener Erde betont die innere Verbindung des Predigers mit der Gemeinde. Die Figuren und Symbole versinnbildlichen die christlichen Tugenden: Demut, Reinheit, Glaube, Liebe und Hoffnung.

 

Die Kirchenmalerei ist in Kasein – (Fresko) – Technik durch Hermann Beressem, Meisterschüler von Prof. Karl Kasper in München und Karl Heidelbach, Neffe von Pfarrer Heidelbach ausgeführt. Die Bilder stellen in zarten Farben dar, „Arme und Kranke, Arbeiter und Bauern und mitten unter ihnen helfend und aufopfernd der Herr, als ob es heute wäre.“ Sie wollen ausdrücken, dass Christus auch heute noch lebt und unter uns wirkt, heute geboren ist und heute verraten, gekreuzigt und unter uns auferstanden ist. Wirklichkeitsnah und zugleich erschütternd sind die Bilder. Es ist eine Bildpredigt, die die Besuchenden anregen und zugleich aufrütteln möchten. Die jungen Künstler, die zunächst Anstoß erregten, mussten dazu viel Mut aufbringen.

 

Die 5 Glocken im 55 Meter hohen Turm laden Menschen zu den verschiedensten gottesdienstlichen Handlungen ein. Die größte Glocke mit der Tonlage a wiegt 3680 kg. Sie trägt die Inschriften „O, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ (Prophet Jeremia 22,29) und „Der Meister ist da und rufet dich“ (Johannesevangelium 11,28).

 

„Fugit irreparabile tempus Anno 1700“ – unwiederbringlich flieht die Zeit – mahnt die alte Sonnenuhr an der Südseite unserer Kirche.